Brennesseln - nur ein lästiges Unkraut?
Daß die Brennessel als Futterpflanze für Schmetterlingsraupen (Tagpfauenauge) ökologisch wertvoll ist und im Garten ein wichtiger Düngerlieferant, wissen viele. Vergessen ist jedoch ihr Nutzen als Faserpflanze. Nur die Bezeichnung Nessel für bestimmte Baumwollstoffe erinnert noch daran.
Seit etwa 10 Jahren wird die Brennessel als Rohstoff für Textilien wieder entdeckt. Ein edler Stoff: fast so weich und glänzend wie Seide.
Beim Anbau ist der Start arbeitsintensiv, da Setzlinge gepflanzt werden müssen. Danach vermehrt sich die Brennessel von selbst, jährliches Aussäen ist nicht nötig. Pro Hektar kann der Landwirt ca. 6-10 Tonnen ernten.
Wilde Brennesseln sind allerdings ungeeignet. Der Stengel besteht bei ihnen lediglich zu 3% aus Fasern, Kultursorten enthalten 14% Fasern.
Die Kultursorten wurden vor über 60 Jahren in Hamburg gezüchtet, am Institut für angewandte Botanik. 27 Sorten blieben auf dem Versuchsgelände des Instituts erhalten, aber bis 1993 hat sich niemand für sie interessiert.
Bisher ist die Anbaufläche noch eher bescheiden, ca. 100 ha in der Region Lüchow-Dannenberg. Immerhin reicht das für 80-100.000 m² Stoff. Dort sitzt der Brennessel-Pionier und Textilhändler Heinrich Kranz, der seit 1997 den kommerziellen Anbau der Brennessel entwickelt.
Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung koordiniert ein weiteres Pilot-Projekt. Hier werden alle Phasen der Produktion optimiert. Sorten mit einem noch höheren Faseranteil werden gezüchtet, das Ziel sind 20 %. Die erste Nessel-Kollektion soll in etwa 3 Jahren vorgestellt werden.
Kochen mit Brennesseln
Als Gemüse kann man Brennesseln auch nutzen, im Prinzip wie Spinat.
Omelett mit Brennessel-Pürree - bei "garten-literatur.de" finden Sie auch noch andere Wildkraut-Rezepte,
Spinatkrapfen ein Tiroler Rezept von "kochen-und-geniessen.de". |